Heute ist es nur noch schwer vorstellbar:
erst seit dem Jahre 1832 existiert bei Kunitz eine Brücke über die Saale!
Bis dahin gab es dort nur eine Furt und für den "kleinen Verkehr" Fährbetrieb.
Viele Bauern aus Kunitz hatten Flächen in der Saaleaue, und es kam immer wieder vor, dass Erntewagen in der Saale umstürtzten
oder die Witterung ein passieren gar nicht zuließ. Dann musste der Weg über Dorndorf oder über die Camsdorfer Brücke genommen werden.
Auch Personen kamen von Zeit zu Zeit zu Schaden, zumal die Strecke über Kunitz, zum Beispiel von Zwätzen aus, bei den Einwohnern für
Gänge Richtung Bürgel üblich war.
Gleichermaßen beliebt waren in früheren Zeiten bei den Jenaer Studenten Zwätzen wie auch Kunitz, so dass sie oft von einem Dorf zum anderen wechselten.
Ein tragisches Ereignis im April 1829 ist ein wesentlicher Anstoß zum Bau der Brücke gewesen: sieben Studenten kutschierten, von der Kunitzburg kommend,
durch die angeschwollene Saale. Das Gefährt stürtzte um und drei Studenten ertranken. Der amtierende Pfarrer Schillbach nahm sich der Sache an und
konnte den Bruder des einen Verunglückten bewegen, 500 Taler für den Bau einer Brücke zu stiften, auch fand er noch weitere Geldgeber,
so dass im Jahre 1832 endlich eine Brücke gebaut werden konnte.
Die Kunitzer Brücke wurde in Holz als Hausbrücke ausgeführt und war freitragend. Das war wichtig,
da damals auf der Saale noch Holz geflößt wurde und jeder Pfeiler ein Hindernis darstellte.
Eine besondere Attraktion für alle Wasserratten der Umgebung war seit Beginn der 20er Jahre des 20.
Jahrhunderts das "Zwätzener Bad", ein Flussbad, welches sich nahe der Brücke saaleabwärts auf der Zwätzener Seite befand.
Am 11. April 1945 fiel die Brücke der Wehrmacht durch Sprengung zum Opfer, nachdem sich das Militär vor den anrückenden
Amerikanern auf das Ostufer der Saale abgesetzt hatte. - Aber jeder kann sich vorstellen, dass diese Brücke für Panzer und schwere LKW ohnehin
nicht geeignet gewesen wäre und die Amerikaner so oder so eine passende Behelfsbrücke errichtet hätten. Das geschah dann auch, und nach wenigen
Tagen bauten die amerikanischen Pioniereinheiten ihre Brücke wieder ab, die sie an dieser Stelle nicht mehr brauchten.
Was nun? Im Zeugamt Löbstedt fanden sich Pontons aus Wehrmachtbeständen, welche die Kunitzer als als Provisorium zu
einer schwimmenden Brücke aufbauten.
Wie auf dem Foto, aufgenommen bei Hochwasser, zu erkennen, war das wirklich nur ein Provisorium. Dazu kamen berechtigte
Klagen der Rothensteiner Flößergemeinde, für die dieser Teil der Saale unpassierbar geworden war.
Die Pontonbrücke existierte von 1945 bis 1949.

Im Jahre 1949 wurde von der alteingesessenen Zwätzener Firma Grünewald eine hölzerne Brücke errichtet, die rechtzeitig
vor der Ernte ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Damit gab es wieder eine feste Verbindung zwischen beiden Ufern.
Diese Brücke wurde 14 Jahre lang benutzt. Im Jahre 1963 wurde dann eine Spannbetonbrücke errichtet.
K. Demuth, G. Machalett, Zwätzen im August 2005
Abbildungen: Archiv K. Demuth